Siedlung am See in Worms als bedeutendes Zeugnis der Nachkriegsarchitektur geschützt

Die „Siedlung am See“ in Worms, die 1964-1968 nach Plänen des Wormser Architekten Friedrich Seeger errichtet wurde, kann seit Anfang des Jahres 2017 als geschützte bauliche Gesamtanlage gelten. In ihrer Gesamtkonzeption stellt sie ein gelungenes und selten intaktes Beispiel für die Rezeption der Kalifornischen Moderne in der Bundesrepublik der 1960er Jahre dar.
Bild: Dieter Krienke

Bilder: Dieter Krienke

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Friedrich Seeger (1924-2013), der selbst eine bestimmende Gestalt des Nachkriegswiederaufbaues in der Region ist, hat sich hier insbesondere mit den Ideen sowie Gestaltungs- und Konstruktionsprinzipien Richard Neutras auseinandergesetzt. Er besaß persönlichen Kontakt zu dem amerikanischen Architekten, der als Hauptvertreter der Kalifornischen Moderne maßgeblich die deutsche Nachkriegsarchitektur beeinflusst hat. In den 1960er Jahren besuchte Neutra den Wormser Architekten sogar in der von ihm geplanten „Siedlung am See“.

Um einen künstlich angelegten See entstanden hier Häuser in Bungalowbauweise sowie in lockerer Gruppierung, die unter Berücksichtigung der Wohnvorstellungen der Eigentümer einheitlich gestaltet sein sollten.  In Anknüpfung an die Ideen Richard Neutras zielte die Planung Seegers darauf ab, die Bauten in die Landschaft einzubetten und zu integrieren: Natur, Garten und Wohnraum sollten als Einheit erlebt werden. So öffnen sich die winkelförmigen Bungalows, die von großzügigen, variierten Grundrissen und Flachdächern geprägt sind, zum Garten hin mit großflächigen Glasfronten, während sie zum Erschließungsweg hin weitgehend geschlossene, weiß geschlämmte Kalksandsteinfassaden zeigen. Besonders hervorzuheben ist der gute Überlieferungszustand der Häuser. Nicht nur die Binnengrundrisse und die durchweg vorhandenen offenen Kamine, sondern auch wesentliche Teile der bauzeitlichen Ausstattung sind großteils intakt überkommen.

Seine persönlichen Vorstellungen vom zeitgemäßen Wohnen setzte Friedrich Seeger an seinem eigenen, für die Siedlung beispielhaften Bungalow um, der sich ebenfalls bis in viele Einzelheiten hinein original erhalten hat. Die Öffnung der Räume erfolgt hier mit der raumhohen Verglasung im Süden, zum See hin, mit der Terrasse, Wasserbecken und Wasserspiel. Typisch erscheint zudem die Verwendung von Waschbetonplatten, die auch Neutra in seiner Freiflächengestaltung umfassend anwendete. Seegers eigenes Haus gehört damit zu einem charaktervollen Ensemble, das als bedeutendes Zeugnis der Nachkriegsarchitektur in Rheinland-Pfalz in seiner Art nicht nur landesweit einzigartig ist, sondern sich auch im bundesweiten Vergleich messen kann.

Leonie Köhren



GDKE