16. Tatort Altbau zu Holzkonstruktionen

Das Bauen mit Holz gehört zu den ältesten Techniken der Menschheit und bestimmt bis heute das Bild unserer Städte und Dörfer.
Oberwesel, St. Martin, Ansicht von Nordwesten | Bild: Georg Peter Karn

Oberwesel, St. Martin, Ansicht von Nordwesten | Bild: Georg Peter Karn

Oberwesel, St. Martin, Holztragwerk im Turm | Bild: Georg Peter Karn

Oberwesel, St. Martin, Holztragwerk im Turm | Bild: Georg Peter Karn

Oberwesel, St. Martin, Glockenstuhl | Bild: Georg Peter Karn

Oberwesel, St. Martin, Glockenstuhl | Bild: Georg Peter Karn

Die breite, regenerative Verfügbarkeit des Materials, seine Verarbeitungs- und Anpassungsfähigkeit an unterschiedlichste Bedingungen, die Vielfalt der Konstruktionsformen und die fast unbegrenzte Möglichkeit zu Reparaturen und Veränderungen machen es seit jeher zu einem begehrten Baustoff. Der 16. Tatort Altbau am 21.6.2018, der wie immer in Kooperation von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, der Direktion Landesdenkmalpflege und der Handwerkskammer Koblenz veranstaltet wurde, war dem stets aktuellen Thema Holzkonstruktionen gewidmet. Das mitten im Weltkulturerbe Oberer Mittelrhein gelegene Städtchen Oberwesel erwies sich dabei mit seinen beiden bedeutenden mittelalterlichen Kirchen als gut gewählter Tagungsort.

In seiner Begrüßung als Vorstandmitglied der Architektenkammer Rheinland-Pfalz wies Joachim Rind auf die anhaltende Aktualität von Holzkonstruktionen auch in der zeitgenössischen Architektur hin. Dr. Maria Wenzel von der Direktion Landesdenkmalpflege ließ die Spannbreite der Holzverwendung in der Architektur aufscheinen und betonte die Notwendigkeit eingehender Voruntersuchungen bei Instandsetzungs- und Umbaumaßnahmen, sowohl hinsichtlich des historischen Zustandes wie möglicher Schäden. Es bedarf einer überlegten Entscheidung, wie man mit nachträglichen Veränderungen umgeht, die etwa an Fachwerkfassaden nicht selten sind. Wie wesentlich und doch nicht selbstverständlich die Einsicht in das konstruktive Gefüge von hölzernen Tragwerksystemen ist, beschrieb Uwe Rumeney als Sachverständiger für die Bewertung von Bauschäden. Fehlinterpretationen können neue Probleme und Komplikationen nach sich ziehen. Unabdingbar sind die frühzeitige Definition des Restaurierungsziels und die Schadensermittlung für die Festlegung eines passgenauen Instandsetzungskonzepts. Oftmals lassen sich Schäden jedoch auch erst im Verlauf einer Maßnahme feststellen. Manche „einfachen Lösungen“ der Bauindustrie für Reparaturen stellen sich dabei als wenig dauerhaft heraus. Demgegenüber erweisen sich historische Holzkonstruktionen erfahrungsgemäß als außerordentlich langlebig und fehlertolerant. Nicole Graf (graf-in, Trier) klärte über Vielfalt und Charakteristika biotischer Schäden an Hölzern durch Pilze und Insekten auf.

Als Beispiel aus der Praxis wurde den Teilnehmern der Glockenstuhl der Martinskirche in Oberwesel vorgestellt, der aufgrund gravierender Schäden einer aufwendigen Instandsetzung unterzogen werden musste (Architekt Hubertus Jäckel, Oberwesel; Martin Kreutz, Ingenieurpartnerschaft Schmitz & Kreutz, Beilingen). Wie sich im Rahmen der Voruntersuchungen ergab, stammt der Aufbau aus dem 15. Jahrhundert und findet in seiner ursprünglichen Konstruktionsform interessante Parallelen in den Skizzenbüchern Leonardo da Vincis. Die komplexe Maßnahme verlangte im Umgang mit der Substanz besondere Sorgfalt und erwies sich von der Gerüststellung bis zur Reparatur der einzelnen Holzteile als außerordentlich anspruchsvoll, zumal der Glockenstuhl unverändert seiner Funktion dient. Die Besteigung des Kirchturmes und die Besichtigung des Glockengeschosses sowie des gewaltigen Dachwerks über dem Kirchenschiff boten abschließend die Möglichkeit zur unmittelbaren Anschauung und zur fachlichen Diskussion.



GDKE