Workshop Engelswerk im Kloster Arnstein am 26. und 27. September 2018

Am 26. und 27. September 2018 fand in der ehemaligen Prämonstratenserstiftskirche, der Kloster- und Wallfahrtskirche St. Maria und Nikolaus in Arnstein oberhalb von Obernhof an der Lahn der Workshop Engelswerk statt.
Klosterkirche Arnstein, Inneres von Westen | Bild: Dr. Georg Peter Karn, GDKE

Klosterkirche Arnstein, Inneres von Westen | Bild: Dr. Georg Peter Karn, GDKE

Freigelegte Gewölbemalerei im Chorschluss | Bild: Dr. Georg Peter Karn, GDKE

Freigelegte Gewölbemalerei im Chorschluss | Bild: Dr. Georg Peter Karn, GDKE

Workshop Engelswerk | Bild: Jürgen Ernst, GDKE

Workshop Engelswerk | Bild: Jürgen Ernst, GDKE

Die Direktion Landesdenkmalpflege, die katholische Pfarrgemeinde Bad Ems sowie das Bistum Limburg hatten Fachleute aus den Bereichen der Kunstwissenschaft und Restaurierung sowie der bildenden Kunst eingeladen. Gemeinsam diskutierten sie über die kürzlich aufgedeckten, fragmentarisch erhaltenen Darstellungen eines vermutlichen Engelschors aus dem frühen 15. Jahrhundert auf den Gewölbesegeln im Altarraum der Klosterkirche und überlegten, wie die Entdeckungen in das Konzept zur Raumgestaltung der Kirche eingebunden werden können. In diesem Zusammenhang richtete sich das Interesse aller Fachleute auch auf die im Kirchenraum recherchierten mittelalterlichen Farbfassungen aus dem 14. und 15. Jahrhundert.

Die auf einem steilen Felsen über der Lahn aufragende Kirche ließ der Stifter um 1176/80 als Basilika mit Doppelchoranlage errichten. Um 1360 wurden die romanischen Ostteile niedergelegt und mit Osttürmen in gotischen Formen neu erbaut, gleichzeitig Lang- und Querhaus erhöht und eingewölbt. Um 1425 fügte man über der Vierung eine Vierungskuppel ein. In den folgenden Jahrhunderten fanden keine wesentlichen baulichen Veränderungen an der Stiftskirche mehr statt. Ende des 18. Jahrhunderts begann der Niedergang des Klosters, das im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurde. Im Jahr 1919 wurde es durch die Arnsteiner Brüder wiederbelebt.

Der Workshop Engelswerk widmete sich intensiv verschiedenen Fragestellungen, die vor allem den denkmalpflegerischen Umgang mit den Malereibefunden der Gewölbe im Ostchor sowie die Suche nach der künftigen Farbfassung für das gesamte Kircheninnere betrafen. Die spannende Frage lautet dabei: Wie finden wir eine angemessene befundorientierte „Redaktion einer Farbfassung“ für einen vielschichtigen Bau, dessen raumgliedernde Architektur von mehreren Bauphasen geprägt wird und der außerdem Ausstattungsstücke vom Mittelalter (Kruzifix, Chorgestühl) bis hin zum Barock (u.a. Hauptaltar, Kanzel, Orgel) beherbergt.
In mehreren Untersuchungsetappen wurden inzwischen reiche Kenntnisse über die farbige Ausstattung der mittelalterlichen Stiftskirche gesammelt und Daten zu den drei entscheidenden Bauphasen des 12., 14. und 15. Jahrhunderts gewonnen. Die barocke Farbigkeit sowie jene der 1920er Jahre gingen durch die zwei letzten Restaurierungen annähernd vollständig verloren. Die Orientierung einer künftigen Farbfassung am romanischen Befund schließt sich ebenso aus wie auch an der ersten gotischen Fassung um 1360, da zu diesem Zeitpunkt die Vierungskuppel noch nicht errichtet war. Bestimmend für den heutigen Zustand ist vielmehr die architektonische Prägung der 1420er Jahre. Dies legt zunächst die Rekonstruktion der zweiten gotischen Raumfassung nahe.

Um Befunde sowie konzeptionelle Ansätze kritisch zu hinterfragen und die Diskussionen durch Impulse von außen zu bereichern, wurden bei den Überlegungen Fachleute verschiedener Fachrichtungen hinzugezogen, unter ihnen die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, Liturgieforscher, Universitäten, Landesämter, Bistümer sowie Restauratoren und Künstler.
Im Rahmen des „Workshop Engelswerk“, das im September 2018 in kleinem Kreis mit den Beteiligten und geladenen Fachleuten in Kloster Arnstein stattfand, konnten die schwierigen Fragestellungen bestätigt und weitere Problemfelder aufgezeigt werden. Auch die Farbfassung der zweiten gotischen Umformung nach 1425 birgt zahlreiche ungeklärte Fragen, die eine Rekonstruktion der Fassung inhaltlich und fachlich, aber auch technisch schwierig machen. Aufgrund der letzten Restaurierungsmaßnahmen ist der Bestand der figürlichen Ausmalung in den Chorgewölben so reduziert und gefährdet, dass das ikonographische Programm der hochgotischen Malerei zurzeit kaum schlüssig gedeutet werden kann. Ebenso ungeklärt ist das Verhältnis der starken und kontrastreichen Farbigkeit von Altarraum und Kirchenschiff samt Querhaus in der überlieferten gotischen Fassung. Es gilt nun, die verschiedenen Lösungsansätze und Anregungen zum ‚Arnsteiner Problem´ zu strukturieren und in Vorbereitung der Maßnahme, die voraussichtlich im Jahr 2020 beginnen wird, zu verarbeiten.
Angesichts der Komplexität der bevorstehenden Aufgabe wird die Schwierigkeit und die ‚große Kunst‘ darin bestehen, bei der Außen- wie Inneninstandsetzung die restauratorischen, künstlerischen sowie handwerklichen Anforderungen im Sinne der großen Bedeutung des Kulturdenkmals und seines bemerkenswerten historischen Bestandes, aber auch mit Blick auf seine künftige Nutzung zu bündeln.
Hierin liegt die große Chance, durch eine sorgfältige Würdigung der Befunde und Wägung der denkmalpflegerischen Mittel zu einem schlüssigen, überzeugenden Gesamtbild des Innenraumes zu gelangen.

Dr. Alexandra Fink



GDKE