Der Turm von Schloss Schaumburg – ,Cardinalpunct Herzoglich Nassauischer Landesvermessung‘

Der Turm von Schloss Schaumburg bei Balduinstein ist nicht nur eine für das 19. Jahrhundert typische Reminiszenz an mittelalterliche Bergfriede, sondern birgt auch eine Besonderheit der Landesgeschichte in sich. Denn seine Spitze diente als sogenannter Nullpunkt der ersten Landesvermessung im Herzogtum Nassau 1853 und wurde als Messpunkt des Landes Rheinland-Pfalz noch bis an die Jahrtausendwende weitergeführt.
Abb. 1: Schloss Schaumburg bei Balduinstein, Rhein-Lahn-Kreis (Foto: Jutta Hundhausen, GDKE)

Abb. 1: Schloss Schaumburg bei Balduinstein, Rhein-Lahn-Kreis (Foto: Jutta Hundhausen, GDKE)

Abb. 2: Die Fahnenstange auf der Plattform des Turmes (Foto: Jutta Hundhausen, GDKE)

Abb. 2: Die Fahnenstange auf der Plattform des Turmes (Foto: Jutta Hundhausen, GDKE)

Abb. 3: Vermarkung des Nullpunktes der Nassauischen Landesvermessung im Boden des Turmes, Foto: Claudia Gerner-Beuerle, GDKE

Abb. 3: Vermarkung des Nullpunktes der Nassauischen Landesvermessung im Boden des Turmes (Foto: Claudia Gerner-Beuerle, GDKE)

Denn seine Spitze diente als sogenannter Nullpunkt der ersten Landesvermessung im Herzogtum Nassau 1853 und wurde als Messpunkt des Landes Rheinland-Pfalz noch bis an die Jahrtausendwende weitergeführt.

Als die Nassauische Landesvermessung 1853 veranlasst wurde, war zunächst geplant, den „Kardinal-“ oder „Nullpunkt“ des Systems auf dem Limburger Dom zu platzieren. Nachdem dies verworfen werden musste, bot Erzherzog Stephan von Österreich, an, der gerade dabei war, Schloss Schaumburg umzugestalten, den im Bau befindlichen Turm für die Vermessung bereitzustellen. Ein hölzernes Messgerüst wurde auf dem Turm aufgeschlagen, das um 1900 durch eine eiserne ausfahrbare Fahnenstange ersetzt wurde. Deren Spitze und Messpunkte auf der Plattform des Turmes dienten nun den Fernmessungen, die über die Bezugspunkte Feldberg (ca. 50 km Distanz) und Höhenburg bei Weilburg (ca. 30 km) erfolgten. Der Nullpunkt wurde 1853 auch in das Turminnere auf den Boden abgelotet. Hier wurde eine Steinplatte mit der Vermarkung des Punktes eingelegt, die noch heute vorhanden ist. Sie trägt die Inschrift Cardinalpunct Herzoglich Nassauischer Landesvermessung.

Auch im nachfolgenden, länderübergreifenden „Soldner-Koordinatensystem“ war Schloss Schaumburg als Fernziel aufgenommen neben dem Kölner Dom, der Mannheimer Sternwarte, der Burg Ronneburg, der Münchener Frauenkirche, dem Schweriner Schloss oder dem Helmertturm in Potsdam.

Im Laufe der Zeit zeigten sich Schäden aufgrund der freien Bewitterung der Metallkonstruktion auf dem Turm. Die Fahnenstange büßte ihre Mechanik ein und es traten Korrosionsschäden auf. Um dieses überregional bedeutende Zeugnis der Anfänge der Landesvermessung zu erhalten, wurde in einem ersten Schritt von der Landesdenkmalpflege eine Bauaufnahme des Turmes beauftragt. So konnte nicht nur der Bestand dokumentiert werden, sondern die Bauaufnahme bildet zugleich auch die Grundlage für statische Berechnungen und restauratorische Konzepte und Maßnahmen, die nun zur Sicherung der Konstruktion folgen sollen.

Jutta Hundhausen



GDKE