Die Mainzer Neutorstraßen-Madonna erhält ihre Krone zurück

Das stattliche Bürgerhaus „Neutorstraße 3“ – am Fuß des Jakobsberges gelegen – bildete einst zusammen mit dem „Neutor“ einen repräsentativen Stadteingang. Der dreigeschossige Putzbau mit seinem mächtigen Walmdach wurde laut eines am Portal angebrachten Chronogramms im Jahre 1710 errichtet.
Eckhaus Neutorstraße 3 | Bild: Karola Sperber

Eckhaus Neutorstraße 3 | Bild: Karola Sperber

Übergabe der Kronen-Kopie [v.l. Dr. Kathrin Nessel (Denkmalpflege, Stadt Mainz), Dr. Markus Fritz-von Preuschen (Landesdenkmalpflege), Mustafa Erdem (Eigentümer), Dr. Birgit Heide (Landesmuseum)] | Bild: Jürgen Ernst

Übergabe der Kronen-Kopie [v.l. Dr. Kathrin Nessel (Denkmalpflege, Stadt Mainz), Dr. Markus Fritz-von Preuschen (Landesdenkmalpflege), Mustafa Erdem (Eigentümer), Dr. Birgit Heide (Landesmuseum)] | Bild: Jürgen Ernst

Der Neutorstraßen-Madonna wird die Krone aufgesetzt | Bild: Jürgen Ernst

Der Neutorstraßen-Madonna wird die Krone aufgesetzt | Bild: Jürgen Ernst

Das darüber befindliche Hauszeichen „Schwan und Anker“ ist vermutlich als Hinweis darauf zu sehen, dass das Anwesen einst von einem wohlhabenden Binnenschiffer erbaut wurde. Unter dem Namen „Zu den drei Mohren“ zählte es lange Zeit zu den gut besuchten Gasthäusern der Stadt. Bis heute haben sich mit Ausnahme von nur geringen Eingriffen die innere Einteilung sowie große Teile der Ausstattung mit ihren beeindruckenden Stuckdecken erhalten. Als Highlight ist wohl die an der Gebäudeaußenkante prominent angebrachte Hausmadonna hervorzuheben. Sie ist nicht nur die größte unter den Mainzern Hausmadonnen, sondern gehört auch zu den herausragenden Werken des Mainzer Barocks und wird dem Kreis um den Augsburger Bildhauer Ehrgott Bernhard Bendel (um 1660–1738) oder auch Franz Matthias Hiernle (1677–1732) aus Mainz zugeschrieben. Ende der 1960er Jahre kam ihr Original in den Besitz des Landesmuseums Mainz, an ihrem Ursprungsort wurde 1969 eine Kopie von Theo Ignaz Graffé aufgestellt, der zahlreiche Mainzer Hausfiguren nachgebildet hat. Während die Kopie die originale, barockzeitliche Krone behielt, blieb die Original-Madonna Jahrzehnte lang kronenlos.

2012 erwarb der Wiesbadener Bauträger Mustafa Erdem das historische Anwesen samt seinen Nebengebäuden und sicherte so seine Erhaltung. Bis 2015 wurden in enger Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden sowohl die Fassaden wie auch das Innere mustergültig instand gesetzt. Beim Start der Sanierungsarbeiten fiel auf, dass es sich bei der Krone der Madonnenkopie um das vergessene Original handelte. Es ist dem Eigentümer zu danken, dass er bereit war, die Krone dem Landesmuseum zu überlassen, sodass das bemerkenswerte Werk nun wieder vollständig ist. Im Gegenzug wurde eine Kopie der Marienkrone von den renommierten Werkstätten des Römisch-Germanische Zentralmuseums angefertigt und dem jetzigen Besitzer übergeben. Damit präsentiert sich zuletzt auch das straßenbildprägende Barockhaus wieder in seiner geschlossenen Gestalt.

Karola Sperber



GDKE