Geschichte der Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz

Die Landesdenkmalpflege ist als Denkmalfachbehörde eine von sechs Direktionen, die seit 2008 in der Generaldirektion Kulturelles Erbe zusammengefasst sind. Ihre Geschichte ist eng mit dem komplexen Entstehungsprozess von Rheinland-Pfalz verbunden. Sie geht hervor aus dem Landesamt für Denkmalpflege, das mit der Gründung des Bundeslandes am 30.8.1946 in Koblenz geschaffen wurde. Entsprechend der historischen Gliederung des Landes knüpft es damit an die lange Tradition der Denkmalbehörden in den Königreichen Preußen und Bayern sowie im Großherzogtum Hessen an.
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war bereits 1945 eine staatliche Denkmalpflegebehörde im Regierungsbezirk Koblenz eingerichtet worden. Die übrigen, ehemals zur preußischen Rheinprovinz gehörenden Kreise sowie die Regierungsbezirke von Rheinhessen sowie der früher bayerischen Pfalz wurden 1946 angeschlossen, die zugehörigen Akten-, Plan- und Fotobestände aus den Ämtern der anderen Bundesländer bis 1949 übernommen. 1954 übersiedelte die Behörde von Koblenz in die Landeshauptstadt Mainz, wo sie nach mehreren Umzügen seit 1998 im Erthaler Hof, einem Adelshof des 18. Jahrhunderts, untergebracht ist.

Teil des Landesamtes für Denkmalpflege war seit seiner Gründung nicht nur die staatliche Schlösserverwaltung, sondern ab 1978 auch das staatliche Amt für Bodendenkmalpflege. Seit 2008 sind beide der GDKE als eigenständige Direktionen eingegliedert.

Erste Verordnungen zum Schutz von Kulturdenkmälern wurden in den verschiedenen Landesteilen bereits im frühen 19. Jahrhundert erlassen. 1902 trat im Großherzogtum Hessen das erste umfassende Denkmalschutzgesetz innerhalb Deutschlands in Kraft, das auch für Rheinhessen Geltung beanspruchte. Die rechtliche Grundlage für den Denkmalschutz im heutigen Rheinland-Pfalz schuf das am 28.3.1978 erlassene Denkmalschutz- und –pflegegesetz, das 2008 als Denkmalschutzgesetz in Teilen eine Neufassung erfuhr.

Zu den wesentlichen Aufgaben der Denkmalpflege gehört die Erfassung und Erforschung der Kulturdenkmäler. Ihre Inventarisierung für das heutige Rheinland-Pfalz setzte in Rheinhessen 1887 mit der Stadt Worms ein, in der bayerischen Rheinpfalz mit der Stadt und dem Landkreis Neustadt am Haardt 1926 und in der preußischen Rheinprovinz 1927 mit den Inventarbänden zu den Kreisen Bitburg und Prüm; bereits 1907 erschien der erste Band für den zum Regierungsbezirk Wiesbaden gehörenden Unterlahn- und Westerwaldkreis. Mittlerweile liegen 47 Kunstdenkmälerinventare vor. Seit 1985 werden die Kulturdenkmäler des Landes auch durch Denkmaltopographien in der Reihe „Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz“ erfasst. Mit der Gesetzesänderung 2008 wurde die Denkmalliste als Verzeichnis aller Kulturdenkmäler des Landes verbindlich, die laufend ergänzt und aktualisiert wird.

Die Landesdenkmalpflege stellt sich vor

Die Landesdenkmalpflege stellt sich vor | Bild: GDKE






Die Landesdenkmalpflege stellt sich vor | Bild: GDKE






Die Landesdenkmalpflege stellt sich vor | Bild: GDKE
Die Landesdenkmalpflege stellt sich vor | Bild: GDKE






Die Landesdenkmalpflege stellt sich vor | Bild: GDKE

Die Landesdenkmalpflege kümmert sich von der wissenschaftlichen Erfassung, Erforschung und Dokumentation der Kulturdenkmäler bis hin zur konkreten Beratung bei wichtigen Instandsetzungsmaßnahmen. Zu den Kernaufgaben der Landesdenkmalpflege gehört das Auffinden der Kulturdenkmale und folgerichtig das Führen der Denkmalliste. Die Denkmalliste ist die unentbehrliche Voraussetzung für die Arbeit in der Praktischen Denkmalpflege. Die Landesdenkmalpflege arbeitet zusammen mit den Unteren Denkmalschutzbehörden, den Bistümern und Landeskirchen sowie sonstigen Einrichtungen wie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Mit mittlerweile über 30 Bänden konnten große Teile des reichen Denkmalbestandes von Rheinland-Pfalz in den Bänden der Denkmaltopographie veröffentlicht werden. Neben der Beschreibung der Kulturdenkmäler und entsprechenden Abbildungen enthält die Denkmaltopographie Karten und ausführliche Einleitungstexte zu den einzelnen Orten und zur jeweiligen Kulturlandschaft. Seit rund 100 Jahren erscheinen die klassischen Kunstdenkmälerinventare, intensive wissenschaftliche Bearbeitungen kleinerer Einheiten, Teilen von Landkreisen oder Städten. Kurz vor ihrer Veröffentlichung steht zurzeit der Band über die Stadt St. Goar.

Die Referentinnen und Referenten der Landesdenkmalpflege, Architekten und Kunsthistoriker, unterstützen und beraten die Unteren Denkmalschutzbehörden bei den denkmalrechtlichen Genehmigungen und sind darüber hinaus Ansprechpartner für Eigentümer, Architekten, Planer und Handwerker, wenn es darum geht, Kulturdenkmäler instand zu setzen oder zu verändern, etwa im Zusammenhang mit neuen Nutzungen. Sie bedienen sich dabei des Fachwissens der Referate Bauforschung und Restaurierung. Wie das Referat Bauforschung unterstützt die Restaurierungswerkstatt des Amtes die Referenten bei einzelnen Projekten durch die Vorbereitung von Realisierungsmaßnahmen, meist im Kontakt mit freien Restauratoren. Auch die Werkstatt unterhält umfangreiche Archive mit Dokumentationen zu Restaurierungsmaßnahmen.

Darüber hinaus ist das Institut für Steinkonservierung e.V. bei entsprechenden Einzelfragen beratend tätig. Dieser Verein wird gemeinsam von den Ländern Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen getragen.

Die Landesdenkmalpflege vergibt Zuschussmittel für die Erhaltung nichtstaatlicher Kulturdenkmäler. Sie erteilt nach vorher mit ihr abgestimmter fachlich erfolgreicher Instandsetzung Steuerbescheide an die Eigentümer. Die Landesdenkmalpflege setzt sich auch für den Erhalt kulturhistorisch hochbedeutender akut vom Untergang bedrohter Kulturdenkmäler des Landes ein. 

Die Referenten sorgen zudem durch die Ausübung von Querschnittsreferaten zu Aspekten wie Städtebaulicher Denkmalpflege, Industriedenkmalpflege, Gartendenkmalpflege oder Bautechnik für eine ständige Wissensmehrung und die Orientierung an bundesweiten fachlichen Standards.

Die Landesdenkmalpflege betreut eine umfangreiche Sammlung historischer Bauteile im Gewölbekeller des barocken Erthaler Hofs mit Fenstern, Türen, Ziegeln, Fliesen, Beschlägen, die nach Voranmeldung interessierten Gruppen zugänglich ist.

Das Referat Bauforschung dokumentiert einzelne Kulturdenkmäler durch Zeichnungen (Aufmaße) und Fotos, stellt bauhistorische Untersuchungen an (u. a. Vorbereitung dendrochronologischer Untersuchungen) und arbeitet an ausgewählten Sonderprojekten. Die Mitarbeiter des Referats betreuen auch das über 70.000 Pläne umfassende Planarchiv.

Zu den Aufgaben des Referats Fotografische Dokumentation gehört neben der Arbeit vor Ort die Betreuung des ca. 300.000 Aufnahmen umfassenden Fotoarchivs, des großen Diaarchivs sowie der Aufbau einer digitalen Dokumentation.
In der Topographischen Registratur des Amtes finden sich Akten zu allen Vorgängen und Maßnahmen an Baudenkmälern. Die Unterlagen reichen zum Teil zurück in das späte 19. Jh. Zusammen mit den übrigen Archiven des Amtes sind die Akten unerlässliche Arbeitsgrundlage. Die Bibliothek mit ca. 21.000 Bänden bildet das wissenschaftliche Fundament für die Arbeit der Denkmalpflege. Schwerpunkte sind Publikationen zur Baugeschichte sowie der regionalen Kunst- und Architekturgeschichte.

Die Landesdenkmalpflege sorgt für die landesweit einheitliche Fortbildung der Unteren Denkmalschutzbehörde und erarbeitet dazu Leitfäden zum Umgang mit den Kulturdenkmälern, u. a. zu Themen wie Solaranlagen und energetischer Ertüchtigung. Das Werben für die Belange des Denkmalschutzes und das Vermitteln denkmalpflegerischen Handelns gehört auch zu den wichtigen Aufgaben der Landesdenkmalpflege. Dies drückt sich neben der Publikation der Jahrbücher und Forschungsberichte durch Fachvorträge der Referenten und ihr Engagement für den jährlichen „Tag des Offenen Denkmals“ aus.
 
Fz. 29.03.11



GDKE